KLIMAFREUNDLICH, EFFIZIENT & NACHHALTIG

Grenzüberschreitende Wärmeversorgung

Wärmenetze bieten die passende Infrastruktur für eine klimafreundliche Wärmeversorgung von Städten und Kommunen. Sie erlauben die Einbindung ganz unterschiedlicher Wärmequellen und arbeiten oft effizienter als viele einzelne Heizanlagen. In Wärmenetze lassen sich nicht nur erneuerbare Energien, sondern auch

nicht vermeidbare Industrieabwärme einspeisen. Sowohl Frankreich als auch Deutschland wollen den Anteil CO2-neutraler Energieträger an ihrem Wärmeverbrauch deutlich erhöhen. Beide Länder stehen dabei vor der Herausforderung, bestehende Infrastrukturen aus- und umzubauen sowie neue Wärmenetze zu errichten.

Wärmebündnis Kehl-Straßburg

Im Grenzraum Straßburg-Kehl arbeiten Kommunen und Unternehmen mit Unterstützung der Regionen und Ministerien an einem zukunftsweisenden Infrastrukturprojekt. Ihre Vision: Tausende Haushalte auf beiden Seiten des Rheins sollen in Zukunft mit klimafreundlicher Abwärme aus dem lokalen Stahlwerk heizen.

Im Hafen der baden-württembergischen Stadt Kehl, direkt an der deutsch-französischen Grenze, betreibt die Badische Stahlwerke GmbH (BSW) ihr Stahlwerk. Unter Einsatz von Schrott und Strom werden dort pro Jahr etwa 2,2 Millionen Tonnen Draht und Betonstahl für die Bauindustrie produziert. Für die dabei anfallende Abwärme findet sich sowohl im Werk selbst als auch in der unmittelbaren Umgebung nur begrenzt Verwendung. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt dagegen Straßburg – eine Stadt, die bis 2050 ausschließlich mit erneuerbaren Energien und Abwärme heizen will.

Die Abwärme der zwei Schmelzöfen soll zurückgewonnen werden. © Badische Stahlwerke GmbH

Grenzüberschreitende Synergien nutzen

Um dieses Klimaschutzpotenzial zu heben, kooperieren die Stadt Kehl und die Eurometropole Straßburg und denken die Wärmeversorgung ihrer Städte fortan zusammen. Nach abschließender Klärung der entscheidenden technischen und wirtschaftlichen Fragen soll mit der Gründung einer deutsch-französischen Gesellschaft für den Bau und Betrieb einer gemeinsamen Wärmeleitung der Startschuss für das Projekt gegeben werden. Eine etwa 7,5 Kilometer lange Rohrleitung soll das Stahlwerk mit dem bestehenden Fernwärmenetz im Straßburger Zentrum verbinden. Dabei soll bis zu 150 Grad heißes Wasser unter dem Rhein hindurchfließen. Ziel ist die nachhaltige Wärmeversorgung eines Holzpelletwerks im Kehler Hafen sowie von zunächst etwa 4.500 Haushalten in Straßburg.

Klimafreundlich, einzigartig, wegweisend

Die Größenordnung des Vorhabens ist beachtlich: Schon wenn die neue Wärmeleitung in Betrieb geht, transportiert sie etwa 60 Gigawattstunden Abwärme ins Straßburger Fernwärmenetz und circa weitere 20 Gigawattstunden zum Holzpelletwerk in Kehl. Insgesamt sollen dafür etwa 32 Millionen Euro investiert werden. Über 10.000 Tonnen CO2 können dadurch jährlich eingespart werden. Mit 135 Gigawattstunden pro Jahr ist das erschließbare Abwärmepotenzial der BSW aber noch weitaus größer. Perspektivisch werden deshalb die Eurometropole Straßburg, aber auch die Stadt Kehl, ihre Fernwärmenetze weiter ausbauen, um noch mehr Wärme der BSW abnehmen zu können. Die jährliche CO2-Einsparung erhöht sich dann auf circa 25.000 Tonnen.

Einzigartig ist das Projekt durch seinen länderübergreifenden Charakter: Das Wärmenetz soll erlauben, Fernwärme von Deutschland nach Frankreich – und umgekehrt – zu transportieren. Die Kooperation zeigt, wie Regionen auf beiden Seiten des Rheins wirtschaftlich und ökologisch von einer gemeinsamen Energieinfrastruktur profitieren können. Gleichzeitig möchte das Projekt Vorbild für ähnliche Vorhaben im europäischen Kontext sein.

Ca. 7500
Meter Wärmeleitung
sollen künftig Straßburg mit Kehl verbinden
> 10000
Tonnen CO2 pro Jahr
können bereits in der ersten Ausbaustufe eingespart werden
Etwa 4500
Straßburger Haushalte
sollen künftig von der klimafreundlichen Wärme profitieren
12
Institutionen
wirken an der Entwicklung des deutsch-französischen Klimaschutzprojekts mit

Meilensteine

Die Idee, die Abwärme der Badischen Stahlwerke für die Beheizung der Gebäude in der Region zu nutzen, kam bereits 2014 auf. Nachdem das Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen damals nicht weiterverfolgt worden war, wurde es in 2018 auf politische Initiative hin wiederaufgenommen. Dass das Projekt technisch – und dank verschiedener Förderprogramme inzwischen auch wirtschaftlich – umsetzbar ist, ergab Anfang 2019 eine erste Machbarkeitsstudie, die das baden-württembergische Umweltministerium beauftragt und finanziert hatte. Im Rahmen einer zweiten, vertiefenden Machbarkeitsstudie im Auftrag der Eurometropole Straßburg werden derzeit die genauen Details zur technischen, finanziellen und organisatorischen Umsetzung des Vorhabens geklärt. Mit der Gründung einer gemeinsamen Wärmetransportgesellschaft soll noch 2020 eine weitere bedeutende Hürde genommen werden. Die Gesellschaft mit dem Namen „Calorie Kehl-Strasbourg“ soll die grenzüberschreitende Leitung bauen und betreiben. Derzeit arbeiten die Beteiligten daran, nationale und europäische Fördermittel zu akquirieren, mit dem Ziel, den Bau der Wärmeleitung nach Möglichkeit noch 2021 beginnen zu können.

Zentral für das Vorhaben ist die Wärmeleitung, die die Produktionsstätte der BSW mit den Abnehmern auf beiden Seiten des Rheins verbindet. Die Beteiligten gehen beim Bau und beim Betrieb dieser Leitung neue Wege: Nicht ein Energieversorger, sondern die beteiligten Kommunen selbst sollen mit Unterstützung der Regionen die Wärmeverbindung gemeinsam planen, bauen und betreiben. Dazu wird die Gesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ gegründet. Die gewählte Rechtsform einer französischen Société d’économie mixte locale (SEML) gewährleistet eine öffentliche Trägerschaft und erlaubt die gleichberechtigte Teilhabe deutscher und französischer Anteilseigner.

Die vertiefende Machbarkeitsstudie sieht eine circa 7,5 Kilometer lange Fernwärmeleitung vor, die die künftige Wärmerückgewinnungsanlage der BSW mit den Abnehmern auf deutscher Seite und dem Heizkraftwerk Esplanade in Straßburg verbindet. Eine besondere Herausforderung stellt die hohe Vorlauftemperatur dar, die im Straßburger Fernwärmenetz benötigt wird. Eine technische Lösung konnte aber erarbeitet werden. Abwärme mit einer Leistung von 20 Megawatt soll im Werk der BSW ausgekoppelt und mittels 150 Grad heißen Wassers zu den Kunden transportiert werden: Den Rhein durchquert voraussichtlich eine circa 250 Meter lange Rohrleitung, die im Flussbett verankert wird. Auf Straßburger Seite speist das dortige Heizkraftwerk die Wärme dann ins existierende Netz ein. Derzeit wird geprüft, ob während der dreiwöchigen Betriebspause der BSW auch Wärme in umgekehrter Richtung geliefert werden kann, um die Abnehmer in Deutschland zu versorgen.

Insgesamt umfasst das länderübergreifende Vorhaben Investitionen in Höhe von etwa 32 Millionen Euro. Zur Förderung und Finanzierung dieser Investitionen hat die Deutsch-Französische Energieplattform diverse Möglichkeiten eruiert und eine kombinierte Förderstrategie mit Mittel aus deutschen, französischen und europäischen Quellen erarbeitet. Mit den möglichen Förder- und Geldgebern sind die Projektpartner aktuell im Gespräch. Zuletzt konnten Mittel aus dem EU-Förderprogramm INTERREG Oberrhein gesichert werden. Das Programm will speziell das Zusammenwachsen der Grenzregionen fördern und wird für das grenzüberschreitende Infrastrukturprojekt die Hälfe der Entwicklungs- und Planungskosten übernehmen. Etwas mehr als eine Million Euro stellt der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für die Gründung der Wärmegesellschaft und die Planung des Wärmenetzes bereit.

Projektbeteiligte

Zwölf Institutionen, darunter Unternehmen, Kommunen, Ministerien, Regionen und Energieagenturen, arbeiten gemeinsam an der Entwicklung und Umsetzung des Projekts.

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Eurométropole de Strasbourg


Die Eurométropole de Strasbourg ist ein Gemeindeverband aus der Kernstadt Straßburg und den umliegenden Gemeinden. Mit etwa 500.000 Einwohnern hat sie einen hohen Wärmebedarf, den sie bis 2050 ausschließlich aus CO2-neutrale Energiequellen decken möchte. Mit dem Projekt „Calorie Kehl-Strasbourg“ kommt sie diesem Ziel näher. Als Hauptabnehmerin der Abwärme wird sich die Eurometropole zu großen Teilen an der neu zu gründenden Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ beteiligen.

https://www.strasbourg.eu/

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Stadt Kehl


Die Stadt Kehl liegt im Westen Baden-Württembergs am Rhein gegenüber von Straßburg. Im Kehler Hafen sind zahlreiche Industrieunternehmen ansässig, unter anderem die Badischen Stahlwerke, deren Abwärme nutzbar gemacht werden soll. Die Stadt Kehl plant, ihr kommunales Wärmenetz auszubauen und könnte dann ebenfalls von der Abwärme der BSW profitieren. Wenn sich die Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ gründet, wird sie sich zu einem kleinen Anteil beteiligen.

https://www.kehl.de

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Badische Stahlwerke GmbH (BSW)


Die Badische Stahlwerke GmbH (BSW) im Hafen von Kehl produziert Betonstahl und Stahldraht für den europäischen Markt. Beim Betrieb der Schmelzöfen fällt Abwärme an, die durch das Projekt für die grenzüberschreitende Wärmeversorgung nutzbar gemacht werden soll. Die BSW wird dann als Wärmelieferantin der zu gründenden Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ auftreten.

https://www.bsw-kehl.de/

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Region Grand Est


Die französische Region Grand Est, deren größte Stadt Straßburg ist, unterstützt das Vorhaben auf Regionsebene. Sie soll Mitgesellschafterin der Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ werden.

https://www.grandest.fr/de/

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Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg


Das Land Baden-Württemberg war über sein Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft aktiver Mitinitiator des Projekts. An der Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ soll es, ebenso wie sein französisches Pendant, die Région Grand-Est, finanziell beteiligt werden.

https://um.baden-wuerttemberg.de

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EC Bioenergie GmbH & Co. KG


Einer der Produktionsstandorte der EC Bioenergie GmbH & Co. KG liegt, wie die Badischen Stahlwerke GmbH (BSW), im Hafen von Kehl. Das Werk der BK Bioenergie Betriebs GmbH & Co. KG produziert dort jährlich 50.000 Tonnen Holzpellets für den deutschen und französischen Markt und deckt seinen Wärmebedarf bislang durch die Verbrennung eigener Holznebenprodukte. Als direkter Kunde der Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ soll das Werk künftig mit der Abwärme der BSW beliefert werden.

https://www.ec-bioenergie.com/

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Banque des Territoires


Die Banque des Territoires ist einer von fünf Geschäftszweigen der Caisse des Dépôts, einem staatlichen Finanzierungsinstitut in Frankreich. Sie ist mit der Finanzierung von Projekten in den französischen Regionen betraut. Die Banque des Territoires soll Mitgesellschafterin der Wärmegesellschaft „Calorie Kehl-Strasbourg“ werden.

https://www.caissedesdepots.fr/

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KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH


Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH ist die Energieagentur des Landes Baden-Württemberg und versteht sich als neutrale, unabhängige Anlaufstelle für Fragen des Klimaschutzes. Die KEA-BW hat das Projekt mitinitiiert und unterstützt das Vorhaben mit ihrer fachlichen Expertise und als Vermittlerin insbesondere zu BSW und EC Bioenergie.

https://www.kea-bw.de/

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Agence pour la transition écologique (ADEME)


Die französische Agence pour la transition écologique (ADEME) ist die nationale Umwelt- und Energieagentur Frankreichs. Sie fördert, leitet, koordiniert und erleichtert Umweltschutz- und Energiemanagementmaßnahmen. Sie steht unter Aufsicht des Ministeriums für den ökologischen Wandel sowie des Forschungs- und Innovationsministeriums und tritt im Rahmen der Deutsch-Französischen Energieplattform als generelle Unterstützerin des Projekts „Calorie Kehl-Strasbourg“ auf. Als Verwalterin des Fonds Chaleur ist die ADEME gleichzeitig mögliche Fördermittelgeberin für das Vorhaben.

https://www.ademe.fr/

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Deutsch-Französische Energieplattform


Die Deutsch-Französische Energieplattform ist ein Gemeinschaftsvorhaben von dena und ADEME. Ziel und Aufgabe der Deutsch-Französischen Energieplattform ist es, deutsch-französische Kooperationsprojekte in der Initiierung, Entwicklung und Umsetzung zu unterstützen und zu begleiten. Im Projekt „Calorie Kehl-Strasbourg“ unterstützt und begleitet sie die Partner vor Ort bei der Entwicklung und Planung des Vorhabens.

https://www.d-f-plattform.de/

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Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)


Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) ist die nationale Energieagentur Deutschlands mit Sitz in Berlin. Sie versteht sich als unabhängige Treiberin und Wegbereiterin der Energiewende. Über die Deutsch-Französische Energieplattform berät sie die lokalen Partner des Projekts „Calorie Kehl-Strasbourg“ bei der Beschaffung von Förder- und Finanzierungsmitteln und begleitet die gesamte Entwicklung und Kommunikation des Projekts. Sie wertet die dabei gemachten Erfahrungen gezielt aus und möchte sie für andere Akteure nutzbar machen.

https://www.dena.de

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INTERREG Oberrhein


INTERREG Oberrhein ist ein Förderinstrument der Europäischen Union zur finanziellen Unterstützung von Projekten im Dreiländereck Frankreich-Deutschland-Schweiz. Es dient dazu, die wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Disparitäten zwischen den verschiedenen Gebieten zu verringern. Aus Mitteln des fünften INTERREG Oberrhein-Programms wird die Entwicklungs- und Planungsphase des Vorhabens „Calorie Kehl-Strasbourg“ kofinanziert.

https://www.interreg-oberrhein.eu/

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Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)


Das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt das Vorhaben mittelbar über die von ihm finanzierten Aktivitäten der Deutsch-Französischen Energieplattform. Außerdem finanziert es die Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft, über die Maßnahmen zur Abwärmeauskopplung und die Anbindung an Wärmenetze gefördert werden.

https://www.bmwi.de/

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