Paris & Berlin 2020

Datathon für die Energiewende

#enerthon2020

Internationale Expertinnen und Experten erarbeiten innovative, datengetriebene Lösungen für aktuelle Herausforderungen der Energiewende.

Daten als wertvolle Ressource zu erkennen und für die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle zu nutzen, ist für viele Player in der Energiewirtschaft noch eine große Herausforderung. Die Deutsch-Französische Energieplattform möchte helfen, dieses große Potenzial mit Hilfe einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auszuschöpfen. In Kooperation mit The Impact Farm haben dena und ADEME Teams aus Developern, Ingenieurinnen, Rechtsexpertinnen, Kreativen, Data Scientists und Designerinnen  dazu eingeladen, in einem vierwöchigen Hackathon innovative Ideen und Prototypen zu entwickeln. Deutsche und französische Unternehmen haben die Basis dafür gelegt- durch die Bereitstellung konkreter Herausforderungen, die mit Hilfe digitaler Technologien gelöst werden können.

Im Rahmen des dena-Energiewende-Kongresses 2020 wurden die Gewinner des Enerthon bekannt gegeben. Im Segment „Elektrizität" gewann „Budo“, eine grenzüberschreitende Planungsplattform für E-Ladesäulen in Deutschland und Frankreich. Im Segment „Gas“ setzte sich das Team „Industrial Analytics“ durch, das einen Prototyp für die Optimierung von Gas-Handelsrouten in Europa erstellt hat.

Wir haben das Gewinner-Team im Bereich „Elektrizität“ um Annette Werth und Victoria McIvor sowie Vincent Scherrer von unserem Partner GRTGaz gefragt, was den Enerthon so besonders macht. Das waren ihre Antworten:

Was hat Euch zur Teilnahme am Enerthon motiviert?

Annette: Ich interessiere mich bereits seit einigen Jahren sehr für erneuerbare Energien. Zudem begeistere ich mich für technologische Herausforderungen und Hackathons, besonders als Mitglied eines Teams. Als ich das erste Mal von Franca Diechtl (dena) vom Enerthon hörte, war ich sofort interessiert. Was mir besonders auffiel, war der europäische Aspekt, und da ich mehr als sieben Jahre in Japan gelebt hatte, wollte ich unbedingt mehr über die europäische Energiewende erfahren. Darüber hinaus bot sich eine gute Möglichkeit, mich auf den neuesten Stand zu bringen und mit meinen Freunden an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.

Vicky: Ich denke, ich habe mich in den letzten zwei Jahren von einem technischen Ansatz im Energiesektor hin zu einem eher kommerziellen Ansatz bewegt. Ich spielte mit dem Gedanken, vielleicht einmal mein eigenes Start-up-Unternehmen zu gründen. Als Annette mich anrief und mir von dem Dreamteam erzählte, das sie zusammenstellte, dachte ich, dass dies eine perfekte Gelegenheit sei, um es zu wagen.

Was war Eure Aufgabe und wie habt Ihr sie bewältigt? 

Annette: Keiner von uns hatte sich zuvor mit Elektrofahrzeugen (EF) beschäftigt, also versuchte ich, mir die relevanten Daten und Prozesse zusammenzustellen und zu verstehen und sie dann dem Team zu erklären. Es erforderte zahlreiche Suchabfragen bei Google und Fragestellungen in alle Richtungen. Ich probierte Tools und Bibliotheken aus, um die Geodaten zu visualisieren und zu verstehen. Und schließlich ging es darum, Proxys und Algorithmen zu finden, die die Planung der EF-Infrastruktur unterstützen. Glücklicherweise hatten wir ein großartiges Team mit vielfältigen Kompetenzen. Es kam vor allem darauf an, alles in kurzer Zeit zusammenzuführen!

Vicky: Ich für meinen Teil habe versucht, diese Idee eines Tools zur Ermittlung effizienter EF-Ladestationen auszuarbeiten und befasste mich mit der Frage, wie es zu einem umfassenderen Produkt weiterentwickelt werden könnte, das auch die Grundlage für ein skalierbares und vertretbares Geschäftsvorhaben bildet. Und dann natürlich auch, wie man es vermarkten könnte.

Was hat die Jury davon überzeugt, dass Eure Idee die beste ist?

Vicky: Das ist schwer zu sagen! Wir hatten einen bemerkenswerten UX Designer im Team, der das Ganze in etwas Großartiges und konzeptionell Klares verwandelt hat. Das hat uns definitiv geholfen. Und was die Techniker in nur vier Wochen geschafft haben, war einfach unglaublich.

Annette: Sie sind es, denen man diese Frage stellen sollte! Ich denke, es ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass wir eine funktionierende Online-Anwendung entwickelt haben und dass wir über den reinen Prototyp hinaus gedacht haben, indem wir alle potenziellen zukünftigen Akteure berücksichtigt haben und auch wie sie von unserer Lösung profitieren könnten.

Was sind die nächsten Schritte für Euren Prototyp?

Annette / Vicky: Der Sieg hat uns völlig überrascht. Unser Team ist rund um den Globus verteilt, daher ist es schwer zu sagen, wie es weitergehen wird. Aber auf jeden Fall denke ich, dass dieser Hackathon nur ein Warm-Up war – wir wissen nicht, welche Richtung wir als nächstes einschlagen werden, aber es bedeutet sicherlich nicht das Ende unserer Zusammenarbeit.

Welche Rolle werden Daten Eurer Meinung nach für den Fortschritt der Energiewende spielen?

Vicky: Eine wesentliche Rolle. Wir sehen, wie die Digitalisierung Sektor für Sektor voranschreitet und enorme Verbesserungen bringt. Daten sind Informationen, ohne sie wären wir blind. Für mich ist die Energiewende die größte Herausforderung unserer Generation. Daher glaube ich, dass Blindheit keine Option ist.

Annette: Die Energiewende schafft ein immer komplexeres und dezentralisiertes Netz mit Millionen interagierender Komponenten. Ohne Daten ist das einfach nicht möglich. Daten sind der Schlüssel zu Effizienz und Zuverlässigkeit und damit zur Energiewende.

Ihr habt Lösungen zur Optimierung der grenzüberschreitenden Ladeinfrastruktur gefunden. Was waren die besonderen Herausforderungen und welche Unterschiede haben Sie beiderseits der Grenze festgestellt?

Annette: Die Herausforderung besteht darin, vergleichbare Daten aus jedem Land zu erhalten und sie in ein einziges System zu integrieren: Dabei kann es sich um Volkszählungsdaten nach Gemeinden (Einwohnerzahl, Einkommen, Pkw-Besitz usw.) handeln. Aber noch wichtiger sind netz- oder EF-spezifische Daten. In Frankreich werden auf der Plattform Enedis Open Data einige dieser Daten aus allen Regionen gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht, aber in Deutschland müsste man 750 Verteilnetzbetreiber abfragen, um solche Daten zu erhalten.

Vicky: Ich war erstaunt über die Anzahl der unterschiedlichen Akteure, die an der Planung der EF-Ladeinfrastruktur beteiligt waren, über die weitgehend manuellen Prozesse und den Mangel an Daten und Standardisierung. Und kaum schaut man ins Nachbarland, ändert sich das alles wieder komplett. Das ist mir am deutlichsten aufgefallen.

Auf welche Weise wird Eurer Meinung nach eine „digitale Energiewende“ von der deutsch-französischen Zusammenarbeit profitieren?

Vicky: Als britische und irische Staatsbürgerin, die in den Niederlanden lebt, würde ich eine britische, irische, niederländische, deutsche und französische Zusammenarbeit natürlich sehr begrüßen. Aber ganz im Ernst: Die Energiewende kann nicht isoliert vollzogen werden. Wir müssen alle über Grenzen hinweg zusammenarbeiten und die Fähigkeiten und Ressourcen der anderen nutzen. Auf diese Weise bringt man die Dinge voran. Frankreich und Deutschland haben eine gemeinsame Grenze, weisen aber auch eine sehr unterschiedliche Kultur und Energieinfrastruktur auf. Das sind perfekte Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit, die vielfältige Perspektiven einbringt.

Annette: Ich bin ganz bei Vicky (solange man Italien in die Zusammenarbeit mit einbezieht). Deutschland und Frankreich haben einen völlig unterschiedlichen Energiemix, und ihre jeweilige Energiewende wird daher sehr unterschiedlich und in vielerlei Hinsicht auch sehr komplementär verlaufen.

Was sagt Ihr all jenen, die erwägen, am nächsten Enerthon teilzunehmen?

Vicky: Verlassen Sie Ihre Komfortzone und legen Sie los! Man lernt unglaublich viel und bekommt die Möglichkeit, sich einen Namen zu machen und neue Kontakte zu knüpfen.

Annette: Was sind schon ein paar schlaflose Nächte angesichts einer solch tiefgreifenden Erfahrung? Rufen Sie Ihre Freunde an und bilden Sie ein Team, dann haben Sie die Chance, mehr über die Energiewende zu erfahren. Und man weiß schließlich nie, welche Türen das einem öffnet!

Das Team Budo über sich:

Das Budo-Team ist eine von Annette zusammengestellte Gruppe von Personen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen und Kompetenzen. Vier unserer fünf Mitglieder leben in Tokio, Japan – ein Umstand, der bei der Wahl des Namens „Budo“, der im Japanischen „Traube“ bedeutet, eine Rolle spielte. Er birgt eine einfache Metapher: die Zusammenführung unterschiedlicher Silos (Trauben) auf einer gemeinsamen Plattform (einer Rebe).

  • Annette: Energie-Freak, Italienisch (Südtirol) sprechende Deutsche, lebt in Paris
  • Vicky: Startup-besessen, Britin/Irländerin, lebt in Amsterdam
  • Eric: Cloud Wizard, Niederländer, lebt in München
  • Mariana: Magische Designerin, Argentinierin, lebt in Buenos Aires
  • Giulio: Daten-Cruncher, Italiener, lebt in Paris

Link zur Prototyp-Demo

Link zum Prototyp

Link zu unserer Online-Präsentation

Link zu unserem Blog „Vicky&Annette Talk Energy“: Vicky&Annette – Medium

Welche Rolle werden Ihrer Meinung nach Daten in Zukunft im Energiesektor spielen? Fehlen uns digitale Innovationen?

Im Energiesektor sind sich praktisch alle einig, dass Daten in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen werden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Energiewende und die Entstehung von Multi-Energie-Systemen, die viel komplexer sind als das traditionelle Schema, das wir bisher gesehen haben. Beim Erdgas war die Ausgangssituation recht einfach. Es gab ein Abkommen zwischen der UdSSR und dem Westen (Frankreich, Deutschland), um Gas von einem Produzenten zu den Verbrauchern zu transportieren. Dieses Schema ist mit dem Auftreten neuer Quellen (Norwegen, LNG) komplexer geworden. Mit dem Hinzukommen von Biomethan und Wasserstoff würde es endgültig hinfällig werden.

Deshalb wird es in Zukunft darauf ankommen, komplexe und dynamische Situationen mit Netzen zu bewältigen, die unterschiedliche Energieformen kombinieren und eine starke Kopplung mit Elektrizität aufweisen. Wir brauchen Systeme, die Menschen nicht ersetzen, sondern sie bei ihren Aufgaben unterstützen und ihnen die Steuerung vereinfachen. Dies lässt sich nur durch eine effiziente Datenverwaltung erreichen.

Ich denke nicht, dass es uns an digitalen Innovationen mangelt. Es gibt zahlreiche Innovationen in allen Bereichen. Es war noch nie so einfach, Entwicklungen voranzutreiben. Zahlreiche Bibliotheken sind als Open Source und in der Cloud verfügbar, was das Voranbringen von Steuerungen erleichtert. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, sie intelligent zu nutzen. Die Steuerungssysteme der Zukunft müssen erst noch entwickelt werden. Vor allem müssen wir Daten in den Mittelpunkt rücken, sie genau definieren, an ihrer Semantik arbeiten und klare, von allen geteilte Standards schaffen. Ohne Data Governance und hohen Datenqualitätsstandards können Innovationen ihr volles Potenzial nicht entfalten.

Das sind große Herausforderungen für GRTgaz, wo wir unsere Aktivitäten in diesem Bereich deutlich ausbauen. Wir haben damit begonnen, unsere Daten zu strukturieren, Business Intelligence-Systeme zu errichten, an der Semantik von Daten zu arbeiten. Anschließend haben wir auf der Grundlage dieser Harmonisierungsarbeit, die notwendig ist, um wirklich über Daten sprechen zu können, Datenwissenschaftler hinzugezogen. Wir sind zudem davon überzeugt, dass wir andere Unternehmen unterstützen und begleiten können. GRTgaz möchte ein bedeutender Akteur im Daten- und Digitalsektor sein, indem es seine Aktivitäten diversifiziert und seine Dienstleistungen und Erfahrungen anderen Akteuren im Energiesektor anbietet.

Wie sehen die derzeitigen Herausforderungen aus, denen GRTgaz im Hinblick auf die Digitalisierung gegenübersteht, und warum haben Sie sich entschieden, den Enerthon zu unterstützen?

Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind vielfältig.

Die von der Politik angestrebte Energiewende und Dekarbonisierung führen dazu, dass wir uns selbst in Frage stellen und uns neue Geschäftsmodelle überlegen müssen. Wir müssen die Entwicklung neuer Infrastrukturen begleiten, die die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen können.

In einem Kontext, in dem unsere physischen Assets altern, müssen wir wirtschaftlich effizient sein. Es muss gelingen, die Nutzung dieser Ressourcen immer weiter zu optimieren und ihre Lebensdauer zu verlängern, wobei Daten eine wichtige Rolle spielen müssen. Es gilt, papierbasierte Prozesse zu digitalisieren und die Mobilität der Akteure vor Ort zu fördern.

Sicherheit und Gefahrenabwehr sind wichtige Themen. Angesichts der Zunahme von Cyberangriffen und der wachsenden Raffiniertheit der Hacker sind sich sowohl die Verantwortlichen als auch die Behörden der Notwendigkeit bewusst, wie wichtig es ist, einen maximalen Schutz der strategischen Infrastrukturen zu gewährleisten. Digitale Technologien sind dafür unverzichtbar.

5G wird einen Durchbruch bringen, mit einer einfacheren Konnektivität zum Informationssystem des Unternehmens und mit einem Höchstmaß an Sicherheit. Das Ziel heißt ATAWAD (Anytime, Anywhere, Any Device). Darüber hinaus sollte dies den Benutzern mehr Handlungsspielraum verleihen, um nicht nur Konsument, sondern auch Akteur und Power-User zu sein, der die Dinge selbst angeht und IT demokratisiert.

Wir sehen den Enerthon als bevorzugtes Mittel, um mit mehr Akteuren außerhalb Frankreichs Schnittstellen zu bilden. Natürlich führt an Deutschland kein Weg vorbei. Es unterhält besondere Beziehungen zu Osteuropa und Russland. Es besitzt die Fähigkeit, ehrgeizige Strategien rund um Energie zu entwickeln, indem es die Entwicklung erneuerbarer Energien fördert und gleichzeitig seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit sowie eine gewisse Unabhängigkeit mittels Projekten wie Nord Stream 2 beibehält.

Wie ich bereits angeführt habe, sind wir bei GRTgaz bestrebt, unsere Aktivitäten zu diversifizieren und unsere Erfahrungen in der Daten- und Digitaltechnik zu nutzen. So konnten wir beispielsweise unsere IT-Systeme in die Cloud auslagern und die Datenwissenschaft nutzen, um die Effizienz unserer industriellen Prozesse zu steigern. All diese Fähigkeiten haben sich in einer Reihe digitaler Dienstleistungen herauskristallisiert, die wir anbieten können, und wir sehen den Enerthon auch als eine Gelegenheit, uns bekannt zu machen und Interesse an diesem Angebot zu wecken.

Was ist Ihrer Meinung nach der Mehrwert der ausgezeichneten Projekte?

Mit Blick auf das Thema Elektrizität hat mich das Budo-Team mit seinem Prototyp positiv beeindruckt. Es gelang dem Team, ihn in kurzer Zeit funktionsfähig herzustellen und ein besseres Verständnis der Probleme bei der Planung von elektrischen Ladestationen zu gewinnen. Der Mehrwert ist potenziell erheblich, wenn die öffentliche Hand das Elektroauto auf breiter Basis entwickeln will. Die Fähigkeit, die Implementierung von Ladestationen effektiv zu planen, ist von entscheidender Bedeutung.

Im Bereich Gas hat das Team „Industrial Analytics“ ein allgemein bekanntes Problem in Angriff genommen, das eine der größten Herausforderungen auf dem Energiemarkt darstellt. Die Optimierung der Transportwege für Gas kann zu Kostensenkungen führen und die Attraktivität dieser Energie erhalten. Alles, was hierzu beitragen kann, ist natürlich positiv.

Welche Bedeutung hat die europäische und insbesondere die deutsch-französische Zusammenarbeit für eine erfolgreiche Energiewende?

Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der die deutsch-französische Zusammenarbeit für eine erfolgreiche Energiewende aus mehreren Gründen für absolut notwendig hält. Diese Themen werden große F&E-Anstrengungen und damit Investitionen erfordern. Anstatt dass jeder einzeln agiert, wäre es besser, unsere Kräfte zu bündeln und dafür zu sorgen, dass Akteure zum Zuge kommen, die in der Lage sind, auf globaler Ebene etwas zu bewirken. Beispielsweise wird es notwendig sein, auf europäischer Ebene Standards und Benchmarks zu entwickeln, um die Schaffung harmonisierter Systeme, gemeinsamer Datenmodelle und sogar gemeinsamer Datenarchitekturen zu erleichtern. Dies wird auch bei der technischen Ausrüstung erforderlich sein. Im Rückblick lässt sich feststellen, dass bezüglich Gas Entscheidungen getroffen wurden, die die Interoperabilität erschwert haben, wie zum Beispiel die Entscheidung, Gas in Frankreich und nicht in Deutschland zu odorieren, ferner unterschiedliche Gasqualitätsstandards – aus zweifellos guten Gründen, die aber die Schaffung eines gemeinsamen Energiemarktes nicht erleichtern. Es wäre interessant, sich auf diese Erfahrungen zu stützen, um zu sehen, ob die Dinge anders oder sogar besser gestaltet werden könnten.

Wir sehen, dass Energie ein strategisches Thema ist: Der Druck, beispielsweise US-Schiefergas durchzusetzen und bestimmte Infrastrukturprojekte zu blockieren, zeigt dies. Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist angesichts der USA und China notwendig und sollte möglichst viele Akteure des europäischen Kontinents einbeziehen, ohne dass dabei jemand aus fadenscheinigen Gründen ausgeschlossen wird.

Helfen Formate wie der Enerthon dabei, in einem europäischen und internationalen Kontext über die Energiewende nachzudenken?

Ja, es öffnet den Geist und gibt uns ein besseres Verständnis dafür, was aus einem technologischen und digitalen Blickwinkel betrachtet Interessantes vor sich geht. Die Initiativen, die ausgezeichnet wurden, sind ein konkreter Beleg für das Interesse an einer etwas breiteren Behandlung der Themen als es der französische Ansatz tut.

Darüber hinaus ist der Enerthon eine Gelegenheit, ganz unterschiedliche Akteure zusammenzubringen, von Start-ups bis hin zu Industrieunternehmen wie dem unseren. Es besteht eine interessante Komplementarität, man lernt sich kennen und die Arbeitsmethoden der Start-ups zu schätzen. Die Start-ups ihrerseits entdecken ganz konkrete Probleme sowie daraus resultierende industrielle Herausforderungen.

Beabsichtigen Sie, den Enerthon erneut zu unterstützen, falls weitere Wettbewerbe stattfinden?

Es gibt zahlreiche Unwägbarkeiten: Das hängt natürlich mit der aktuellen Situation und der Entwicklung der Pandemie im kommenden Jahr zusammen. Die Entscheidung wird zu einem geeigneten Zeitpunkt getroffen werden. Wir haben es jedenfalls bedauert, bei der Veranstaltung nicht persönlich anwesend sein zu können. Einer der wesentlichen Punkte für uns war die Gelegenheit, Akteure zu treffen und in direkten Kontakt mit den Themen Datenwissenschaften und digitale Welt zu kommen. Das Coronavirus hat dies nun verhindert, und das ist schade.

Daher werden wir die Organisation der nächsten Veranstaltung genau verfolgen. Neben unserer Rolle als Sponsor sind wir eventuell daran interessiert, ein Team zur Teilnahme an dem Wettbewerb zu entsenden. Wir haben Experten, die diese Art von Herausforderung schätzen, und wir sind überzeugt, dass wir in der Lage sind, interessante Produkte zu entwickeln.

Vincent Scherrer von GRTgaz über sich:

Während meiner gesamten beruflichen Laufbahn habe ich im Energie- und im Erdgassektor gearbeitet. Nach meiner Ausbildung als Ingenieur in Frankreich und Deutschland und einem Doppelabschluß arbeitete ich in Deutschland bei der Verkehrstochter von Gaz de France. Danach nahm ich eine Stelle als Berater und anschließend als IT-Manager bei ENTSOG (European Network of Transmission System Operators) an. Im Jahr 2017 schließlich kehrte ich nach Frankreich zurück, um für den wichtigsten französischen Fernleitungsnetzbetreiber, GRTgaz, zu arbeiten.

Ich befasste mich sowohl mit Gas- als auch mit digitalen Themen. Durch meine Berufserfahrung habe ich eine hohe Affinität zu Daten und Datenwerten, und in meiner Zeit bei ENTSOG habe ich mir einen vertieften Einblick in europäische Energiefragen verschafft.

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