Herr Paulus, seit wann ist Industrie 4.0 für Sie bereits ein Thema?
Als Gründungsmitglied der SmartFactory Kaiserslautern beschäftigt sich die KSB AG bereits seit über 10 Jahren aktiv mit Ansätzen zur Modularisierung und Digitalisierung der Produktion. Demgemäß sind smarte Produkte zur Steigerung der Energieeffizienz auf Basis des Energiesparkonzeptes FluidFuture sowie Diagnose und smarte Services Bestandteil des Leistungsspektrums von KSB. 2015 hat KSB die weltweit erste kostenfreie App (KSB Sonolyzer) publiziert, mit der man Energieeinsparpotenziale hören kann.

Inwiefern sehen Sie in Industrie 4.0 die Chance, die Brücke zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Energieeffizienz zu schlagen? Wodurch „helfen“ digitale Produkte konkret?

Eines der wichtigsten formulierten Ziele für Industrie 4.0 ist die Produktivitätssteigerung und Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Ein Kernelement für die Produktivitätssteigerung, als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, ist die Ressourceneffizienz und folglich auch die Energieeffizienz von Produktionen. Die in den vergangenen Jahren, neben Industrie 4.0, gesteckten Ziele für Energieeffizienzsteigerungen konnten jedoch bislang nicht erreicht werden. Gründe hierfür sind das Fehlen von einfachen Werkzeugen, die dabei helfen, Energieeinsparpotentiale in den Produktionen ohne Zusatzaufwand zu identifizieren und zu heben sowie die fehlende Investitionsbereitschaft bei Amortisationszeiten von mehr als zwei Jahren. Der Einsatz von IoT-Technologie kann helfen beide Problemfelder zu überwinden, indem dem Anwender auf einfachste Weise Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, welche Transparenz schaffen und Einsparpotenziale, bei geringem Aufwand, direkt quantifizierbar machen.

Energieeffizienz allein stellt für Unternehmen keinen Selbstzweck dar: Worin sehen Sie den größten Mehrwert bei der Anwendung im Unternehmen? Wie kann der Investitionsentscheider besser adressiert werden?
Für die Unternehmen stellen einerseits die mit der Energieeinsparung zusammenhängende Kosteneinsparung, andererseits das positive Image eine Motivation und Mehrwert zur Umsetzung von Energieeinsparprojekten dar. Darüber hinaus wirkt sich der energieeffiziente Betrieb von Komponenten, beispielsweise von Pumpen, positiv auf die Lebensdauer aus wodurch sich ein zusätzliches Kosteneinsparpotenzial ergibt. Aufgrund der nationalen und internationalen Richtlinien bestehen für Unternehmen zusätzliche Notwendigkeiten für Investitionen in energieeffiziente Lösungen. Für Investitionsentscheider stellt die Wirtschaftlichkeit der Investitionen in energieeffiziente Lösungen die wesentliche Entscheidungsgrundlage dar. Insofern ist es besonders wichtig, Einsparpotenziale im Vorfeld der Investition transparent darzustellen und demgemäß zu quantifizieren.

Warum braucht es dafür Start-ups?
Das Umfeld von start-ups ermöglicht eine kreative und prozessfreie Herangehensweise an die Fragestellung Digitalisierung und Energieeffizienz. Einerseits als Inkubatoren von neuen IoT-basierten Ideen, anderseits zur schnellen Realisierung. Darüber hinaus bieten Start-ups die Chance des einfachen Know-How-Aufbaus. Insbesondere eine agile Umsetzung von digitalen Services z.B. für Energieeffizienz, welche in vielen Fällen nicht Teil des Kerngeschäftes eines Unternehmens sind, stellt aufgrund vorhandener und etablierter Prozesse eine Herausforderung dar.  Darüber hinaus erfordert der Wechsel von Produkt- und Prozessinnovationen zu datengetriebenen Services einen Wandel in den Unternehmen, welcher in Start-up Umgebungen erst gar nicht überwunden werden muss.

Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit deutschen bzw. französischen Partnern?
Wir haben in den letzten 30 Jahren sehr positive Erfahrungen mit unseren französischen Pumpen und Armaturenwerken gemacht. Es hat sich gezeigt, dass sich die Stärken der französischen Kollegen mit unseren sehr gut ergänzen. Als weltweit agierender Konzern spielt die Nationalität unserer Mitarbeiter in der Zusammenarbeit nur eine untergeordnete Rolle.

Worin sehen Sie den Mehrwert einer Deutsch-Französischen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen?
Ein Mehrwert besteht zum Beispiel darin dass es auf der Welt Märkte gibt, die leichter von Frankreich aus bedient werden können (Maghreb-Staaten) und andere Märkte, wie zum Beispiel den angelsächsischen Sprachraum, der von Deutschland aus schneller erreichbar ist.

Welche Kooperationsprojekte würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Eine verstärkte Kooperation und entsprechende Projekte im Themenfeld Industrie 4.0 / Industrie du futur wären vor dem Hintergrund der Entwicklung einer gemeinsamen Sichtweise auf die Digitalisierung einerseits zwischen Frankreich und Deutschland andererseits aber auch zur Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Sicht wünschenswert. Zielstellung sollte die Bündelung der europäischen Interessen, z.B. bei der Standardisierung, sein um eine klare europäische Position auch gegenüber außerhalb Europas stattfindender Aktivitäten zur Digitalisierung und Energieeffizienz zu entwickeln.